Knigge-Regel oder Knigge-Märchen?

Wenn es um das Thema Umgangsformen geht, gibt es viel Verwirrung und Aussagen, die oft aus dem Zusammenhang gerissen sind. Welche sind nun Regeln, an die wir uns halten sollten und was sind Märchen, die wir vergessen können? Der Knigge-Rat hat ein paar Verhaltens-Tipps zusammengestellt.

Märchen: Legen Sie das Besteck „20 vor 8“, hat es Ihnen nicht geschmeckt
Eine solche „Bestecksprache“ gibt es zum Glück nicht, und es hat sie noch nie gegeben. Es wäre arrogant, wenn der Gast dem Gastgeber so deutlich machen würde, dass dieser kein guter Koch ist. Sind Sie im Restaurant mit dem Essen unzufrieden, reklamieren Sie es am besten sofort beim Kellner. Bleiben Sie dabei höflich: „Das Essen ist zu kalt/zu salzig/zu fad. Würden Sie es bitte in der Küche für mich reklamieren?“ Sich erst nach dem Essen zu beschweren. ist kein guter Stil!

Märchen: „Ladys first“: Damen haben beim Begrüßen immer Vorrang
Man(n)“ muss ihr nicht mehr vor dem Chef die Hand geben, nur weil sie eine Frau ist. Das Geschlecht sollte im Geschäftsleben weder ein Handicap noch ein Vorteil sein. Die Hierarchie und die fachliche Leistung zählen – auch für Frauen. Und auch auf dem privaten Parkett ist Vorsicht geboten: Geben Sie fremden Frauen nicht einfach zuerst die Hand, nach dem Motto: „Das ist bestimmt Ihre Frau.“ Warten Sie, bis man Sie vorstellt. Vielleicht handelt es sich nicht um die Ehefrau, sondern um die neue Freundin. Ersparen Sie sich solche Peinlichkeiten.

Märchen: Geflügel: Alles, was fliegt, darf man mit den Fingern essen…“
Das einzige klassische Geflügel- Fingergericht ist die Wachtel. Diesen kleinen Vogel mit Messer und Gabel zu essen, wäre ein sehr schwieriges Unterfangen. Stattdessen bekommen Sie dazu eine Fingerschale mit lauwarmem Wasser und einer Zitronenscheibe gereicht, mit der Sie sich nach dem Essen die Finger säubern können

Märchen: Salat darf man nicht schneiden – Kartoffeln und Gemüse schon
In fast allen Fällen gilt: Sie dürfen Kartoffeln, Salat und Gemüse heutzutage schneiden. Früher wurden die Messer geschont, da sie nicht legiert waren und im Kontakt mit Säuren schwarz anliefen. Dieses Argument zählt heute nicht mehr.

Regel: „Gesundheit“ sagt man nicht mehr, wenn jemand niest.
Es ist tatsächlich ein Fauxpas, einer anderen Person Gesundheit zu wünschen. (Mehr dazu im Handbuch „Der große Knigge“.)

Märchen: Hochzeit: Eine Dame darf zu diesem Anlass kein Schwarz tragen
Entwarnung: Schwarz ist eine wichtige Modefarbe und kann sehr elegant sein. Lediglich in konservativen Kreisen sollten Sie mit der Farbe Schwarz noch vorsichtig sein. Richtig ist: Die Farbe Weiß ist tabu, sie ist und bleibt einzig und allein der Braut vorbehalten.

Regel: „Guten Appetit“ sagt man nicht. Als Gast schon gar nicht.
Richtig ist, dass man sich bei offiziellen Anlässen, z. B. bei einem Bankett, noch nie einen guten Appetit gewünscht hat. Die Gastgeberin gab früher und gibt auch heute noch das Zeichen zum Essensbeginn, indem sie einfach zum Besteck greift. Wenn sie fehlt, übernimmt der Gastgeber diese Aufgabe. Richtig ist hingegen, dass Sie als Gast niemals von sich aus „Guten Appetit“ wünschen sollten. Das wäre vermessen

Wenn Sie 2010 wissen wollen, was wirklich zur Etikette gehört, dann finden Sie alle Regeln für stilvolles Benehmen im  Handbuch „Der große Knigge“, zusammengestellt vom Deutschen Knigge-Rat.

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