Textile Erfindungen: In Deutschland nicht gerade Mangelware (2)

Totgesagte leben bekanntlich länger. Was hat diese Binsenweisheit mit Unterwäsche zu tun? Eine Menge – direkt und indirekt. Die deutsche Textilindustrie – die Älteren werden sich erinnern – ging ab Ende der 60er-Jahre als einer der ersten standortprägenden Industriebranchen in Folge der einsetzenden Globalisierung den Bach hinunter, verlor sozusagen die eigenen Fäden aus der Hand. Hundertausende Arbeitsplätze in NRW, Süddeutschland und nach der Wende in Ostdeutschland gingen verloren. Heute hat sich die Branche nahezu wieder gerappelt, allerdings durch inhaltliche und ziemlich spektakuläre strukturelle Veränderungen in Richtung Hightech. Der Wermutstropfen: Die Textilunternehmen sind von der Zahl her geschrumpft und kommen nur noch mit einem Sechstel der ursprünglich Beschäftigen aus.

Der Industriezweig wird längst nicht mehr ausschließlich von traditionellen Arbeitsinhalten bestimmt (Garnherstellung, Webereien, Konfektionsbetriebe), sondern vermehrt von Forschung, Entwicklung und vollkommen neuen Herstellern textilbasierter Erzeugnisse und Werkstoffe. Was meinen Sie, wie viele Patente aus diesem Sektor seit 1990 beantragt wurden – a) 700, b) 2.200 oder c) 6.000? Sie liegen mit dem Höchstwert richtig, denn Komponenten vor allem aus technischen Textilien sind aus unserem Leben heute nicht mehr wegzudenken. Zum Beispiel würde kein Auto „ohne“ jegliche Textilbestandteile mehr zugelassen werden dürfen, nicht wegen der Stoffbespannung auf den Sitzen oder der Innenraumverkleidungen, sondern vor allem wegen des dann fehlenden Airbags und jenen Karosserieteilen, die aus Carbonfaserverbundstoffen (CFK) bestehen. Kein Flugzeug kommt heute mehr ohne diesen Leichtwerkstoff aus; bei Airbus sollen sie bereits 50 Prozent des Materialvolumens ausmachen. Es gibt inzwischen Leichtbaubrücken aus Textilbeton, Geotextilien, die erdbebensicheres Bauen ermöglichen oder stahlsparende Gründungsarbeiten.

Ohne Technotextilien wäre auch die Medizin längst noch nicht so weit. Kettengewirkte Gefäßschläuche, sogenannte Stents, sind oft überlebenswichtig, andere knochenersetzende bzw. -versteifende Textilimplantate inzwischen auch. Ein ganz großes Thema ist die Wundversorgung nicht mit Leukoplast, das 1890 in Deutschland erfunden wurde, sondern mit neuen Textilmaterialien, die vielleicht morgen schon gezielt und dosiert heilungsunterstützende Wirkstoffe abgeben können. Es gibt bereits Versuche, defekte Herzklappen aus körpereigener Kraft nachwachsen zu lassen. Das Prinzip dafür ist „ganz einfach“ und deshalb nobelpreisverdächtig: Man nehme ein geeignetes Textil-Trägermaterial, lasse darauf Stammzellen einwachsen und gebe dem ganzen dann die gewünschte Richtung…

Zurück zur Unterwäsche von Hotelier Lehmann, Kundenberater Müller und Geschäftsführer Meyer (ohne natürlich den MdB Schmidt dabei zu vergessen): Diesen Herren – den anderen wie der Damenwelt inklusive – wird in den nächsten Jahren so manche Zusatzfunktion nicht nur auf Feinripp begeistern. Motto: Was will mir mein Slip denn jetzt schon wieder sagen? Bevor wir ganz vom Thema abgleiten vielleicht der Hinweis an ALBERT KREUZ: Seien Sie möglichst der erste Online-Shop, über den man wärmende, bakterienresistente, leuchtende, alarmierende, informierende und ggf. über GPS auch ortungsfähige Unterwäsche beziehen kann.

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