Der Gentleman im 21. Jahrhundert

Tim Keding über den Gentleman von heute
Tim Keding über den Gentleman von heute

Ist es wieder in, ein Gentleman zu sein? Wie viel Gentleman steckt in jedem von uns? Dieser Frage wollte ALBERT KREUZ nachgehen und hat hierfür Tim Keding, den Gründer des Gentleman-Blogs, zu einem Gespräch eingeladen.

ALBERT KREUZ: Herr Keding, Sie betreiben seit Juli 2009 den Gentleman-Blog. Sind Sie denn selbst ein Gentleman?

T. Keding: Ob ich ein Gentleman bin, sollen andere beurteilen. Aber ich lege in der Tat Wert auf gute Manieren, einen respektvollen Umgang mit meinen Mitmenschen und auf ein gepflegtes Äußeres. Dazu gehört für mich auch qualitativ hochwertige Kleidung, die – nebenbei bemerkt – häufig auch viel wirtschaftlicher ist. Ich kaufe zum Beispiel lieber ein paar hochwertige Schuhe, die lange halten, als drei paar billige Treter.

ALBERT KREUZ: Wie sind Sie auf die Idee des Gentleman-Blogs gekommen?

T. Keding: Ich interessiere mich seit jeher für die Themen Mode, Knigge, Stil. Im Internet fehlte mir immer eine Webseite, die diese Themen gebündelt präsentiert. Da ich beruflich im Online Marketing tätig bin und eine große Affinität zum Internet haben, reifte in mir die Idee, einen eigenen Blog zu den Themen ins Leben zu rufen und diese in einem Gentleman-Blog zu bündeln. Das scheint den Nerv vieler Menschen getroffen zu haben. Der Gentleman-Blog verzeichnet schon kurz nach dem Start jeden Monat tausende Besucher, Tendenz stark steigend! Ein Grund liegt sicher auch darin, dass es uns gelungen ist, hochkarätige Gastautoren wie zum Beispiel den deutschlandweit bekannten Stilcoach Uwe Fenner und weitere anerkannte Experten aus den Bereichen Mode, Knigge und Stil zu gewinnen.

ALBERT KREUZ: Gibt es denn noch viele Gentlemen unter uns oder wollen Sie den Männern mit Ihrem Blog wieder Lust machen, Gentleman zu sein?

T. Keding: Ich bin überzeugt davon, dass es noch viele Gentlemen gibt, und dass der Gentleman auch nie aussterben wird. Durch die „68er“ gab es zwar so etwas wie eine kleine Krise des Gentlemantums, da damals von einer großen Gruppe viele klassische Werte nicht nur in Frage gestellt, sondern regelrecht über Bord geworfen wurden. Doch in den letzten Jahren ist wieder ein starker Drang nach Werten und Normen zu spüren, der letztlich in einer Renaissance des guten Stils mündet. Gerade in der heutigen Zeit, in der sich die Welt immer schneller zu drehen scheint, stellt ein Gentleman einen wohltuenden Ruhepol dar. Der Gentleman ist zeitlos. Natürlich freut es mich, wenn es mit dem Gentleman-Blog gelingt, noch mehr Männern das Wesen des Gentlemans nahe zu bringen. Gerne möchten wir all diejenigen unterstützen, die sich schon auf dem Weg des guten Stils befinden oder dabei sind, diesen für sich zu entdecken. Das scheint uns zu gelingen, wir haben schon sehr viel tolles Feedback bekommen, und das nicht nur von Männern.

ALBERT KREUZ: Was muss ein Mann besitzen, um ein Gentleman zu sein?

T. Keding: Ein Gentleman hat eine starke Persönlichkeit und seinen eigenen Stil. Natürlich kann auch ein Gentleman sich in Sachen Mode inspirieren lassen, aber er läuft keinen Trends hinterher. Einem Gentleman sind zudem Respekt und Anstand wichtig. Herunter gebrochen auf einen Satz bedeutet das: „Was Du nicht willst, was man Dir tut, das füge auch keinem anderen zu.“

ALBERT KREUZ: Wie präsentiert sich der Gentleman 2010?

T. Keding: Da sich die Mode eines Gentlemans auch nicht an Trends orientiert, präsentiert sich ein Gentleman im Jahr 2010 nicht anders als in der Vergangenheit. Stil, Benimm, Respekt und eine gewisse Gelassenheit bleiben hoffentlich immer „in“.

ALBERT KREUZ: Wie entstand der Begriff Gentleman historisch und was unterscheidet den „antiken“ Gentleman vom zeitgenössischen?

T. Keding: Eine eindeutige Definition für den Begriff Gentleman gibt es nicht. Die Deutungen reichen von Bildungsgrad, der Art der Beschäftigung, dem Charakter bis hin zum Stand durch Geburt. Die englische Übersetzung des Begriffs „gentle“ steht für liebenswürdig, gütig und freundlich. In Kombination mit der Wort „man“ ergab sich daraus die Bezeichnung Gentleman. Die Vokabel „gentle“ wiederum hat seinen Ursprung im altfranzösischen Wort „gentil“, was für wohlgeboren steht. Historisch gesehen, ein Indiz der familiären Herkunft. Das ist aber mittlerweile überholt. Heutzutage kann man auch ohne Adelstitel ein Gentleman sein.

ALBERT KREUZ: Wer ist für Sie der größte Gentleman aller Zeiten und warum?

T. Keding: Es ist schwer eine Rangliste oder einen Vergleich anzustellen. Von daher mag ich mich nicht festlegen. Aber Personen wie George Bryan Brummell oder Fred Astaire stehen für den klassischen Gentleman. Aber ich möchte niemandem raten, sich zu sehr an Vorbildern zu orientieren, sondern den eigenen Weg zu gehen. Dazu passt ein altes Sprichwort, das sagt: „Tritt nicht in die Fußstapfen anderer, Du hinterlässt sonst selbst keine Spuren.“

ALBERT KREUZ: Wenn wir wollen, steckt also in uns allen ein Gentleman. Herzlichen Dank, Herr Keding, für diese Einsicht.


Gentleman-Blog LogoTim Keding ist der Betreiber des Gentleman-Blogs. Nach seinem Studium der Medienwirtschaft mit Schwerpunkt E-Business stieg er bei der Jobbörse ABSOLVENTA als Gesellschafter ein und arbeitet dort als Head of Marketing. Mit dem Gentleman-Blog verbindet er seine Leidenschaften für klassische Herrenmode und die schier unendlichen Möglichkeiten, die das Internet bietet.

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