ALBERT KREUZ setzt auf den Produktionsstandort Deutschland – Teil II

Textil-Experten unter sich: Edouard Ananijev von Riedel Textil, Erik Thomä von Hereiha Textil GmbH, Uwe Schmidt von Albert Kreuz GmbH (v.l.n.r.)
Textil-Experten unter sich: Edouard Ananijev von Riedel Textil, Erik Thomä von Hereiha Textil GmbH, Uwe Schmidt von Albert Kreuz GmbH (v.l.n.r.)

Wie Geschäftsführer Uwe Schmidt die für seine Marke ALBERT KREUZ passende Textilproduktion fand, haben Sie im letzten Beitrag erfahren. Warum er sich klar für den Produktionsstandort Deutschland entschieden hat und wie deutsche Textilproduzenten gegen die Konkurrenz aus Fernost punkten können, erfahren Sie jetzt.

Der Aufbau einer Modemarke erfordert eine klare Zielrichtung, eine Philosophie, ein Lebensgefühl und eine klare Zielgruppenansprache. ALBERT KREUZ ist nicht eine weitere Unterwäschenmarke für Männer, sie richtet sich klar an modebewusste Geschäftsmänner, die auf Qualität und Tragekomfort Wert legen. Um deren hohen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden, müssen nicht nur die stofflichen Zutaten erstklassig sein, sondern auch die Verarbeitung. Das bedeutet, stete Kontrolle bei der Konfektionierung. Uwe Schmidt war es zudem wichtig, kurze Lieferzeiten und Transportwege zu haben.

Ökologisches Denken ist meist bei den Kunden schon verankert – immer mehr Verbraucher achten darauf, woher ihre Textilien kommen, aus was für einem Material sie hergestellt sind, welche Transportwege sie zurücklegen mussten. Uwe Schmidt hat diesen Trend zur Nachhaltigkeit von Anfang an in seine Kalkulationen einfließen lassen und die Kunden danken es ihm.

ALBERT KREUZ setzt auf deutsche Textilproduktion. Warum? Was für Vorteile bietet Hereiha Textil gegenüber Produktionsstätten im Ausland oder anderen in Deutschland?

E. Thomä: Wir bieten Qualität: Unsere Produktion findet auf modernsten Konfektionsmaschinen statt. Die von uns gefertigten Textilien sind erstklassig verarbeitet – das wissen unsere Kunden zu schätzen. Wer schnell neue Ware braucht, der bekommt sie auch. Wir garantieren kurze Reaktionszeiten und minimale Lieferzeiten. Zudem bieten wir unseren Kunden eine eigene Modellentwicklung und Schnitterstellung für die optimale Passform. Unser Kreativteam passt die Schnitte nach entsprechenden Kundenvorgaben für jeden Artikel individuell an. Das ist gerade für Modefirmen, bei denen die Wünsche des Kunden an erster Stelle stehen, von Bedeutung. Dies können Asien und Osteuropa nur bedingt leisten – hier sind wir klar im Vorteil.  Die Fertigung ist natürlich ein wenig teurer als in Asien oder Osteuropa.

 

Die Näherin von Hereiha Textil GmbH vernäht Front und Rückenteil des Unterhemds mit der Flatlock-Maschine

U. Schmidt: Hereiha bietet die Produktionskriterien, die mir wichtig sind. Bei Hereiha sind zudem die Kommunikationswege kurz. Meist sind mit einem Telefonat alle Fragen, beispielsweise zu kurzfristigen Produktionskapazitäten, geklärt. Durch die hohe fachliche Qualifikation der Näherinnen kann mir Hereiha extrem hohe Qualität liefern. Eine Qualität, die viele andere „Marken“ nicht anbieten können, weil deren Konfektionen von ungelernten Arbeitskräften gefertigt werden mit dem Ziel, schnell und billig zu arbeiten.

Für mein Business ist es auch unheimlich praktisch, in zwei Stunden in der Konfektion vor Ort zu sein, um Dinge persönlich zu klären. Im übrigen sind mein wichtigster Stoff-Hersteller, Riedel-Textil, der Verpackungshersteller, der Hersteller der Gummibänder für Unterhosen sowie der Hersteller der Markenlabel in der Chemnitzer Region angesiedelt, so dass ich – frühes Aufstehen vorausgesetzt – alle an einem Tag besuchen kann. Ein Vorteil, den ich nicht mehr missen möchte.

Was halten Sie vom Produktionsstandort Deutschland? Können Sie mit ausländischen Kalkulationen/ Preisen mithalten? Was zeichnet Hereiha aus? Mehr Leistung, mehr Qualität?

E. Thomä: Für die Textilindustrie ist der Standort Deutschland sehr schwierig geworden. Wir konkurrieren mit Ländern, die durch Billiglöhne, andere Personalpolitik, Produktionskosten etc. ganz anders kalkulieren können. Deren Preise sind mit unseren nicht vergleichbar. Wir können uns nur durch hohe Serviceleistungen auszeichnen: Qualität der Ware, Termintreue, kurze Lieferzeiten, kurze Wege, kleine Serien und den persönlichen Kontakt vor Ort. Das macht uns aus und das wissen unsere Kunden zu schätzen.

U. Schmidt: Beim Aufbau der Marke ALBERT KREUZ stellte sich natürlich auch die Frage nach dem Standort der Konfektion. Nach Abwägung von Vor- und Nachteilen war eindeutig klar, dass in dieses Konzept keine Produktionsstätten in Fernost passen. Ein kleines Unternehmen kann dort aus meiner Sicht gar nichts sparen, da es Unsummen in die Qualitätssicherung investieren müsste. In Deutschland können so unglaublich viele Dinge einfach vorausgesetzt werden, die man vermutlich erst zu schätzen weiß, wenn sie fehlen. Denken Sie beispielsweise an politische Stabilität, Strom, Telefon, Sprache, Zuverlässigkeit.

Gibt es eine Anekdote in der Zusammenarbeit mit Albert Kreuz?

 

Eine Näherin der Hereiha textil GmbH vernäht den unteren Saum des Unterhemds

E. Thomä: Da fällt mir nur die Namensverwechslung ein. Albert Kreuz wirkt wie ein gängiger deutscher Name und hat daher oft bei unseren Anschreiben für Verwirrung gesorgt. Herr Schmidt wurde anfänglich des Öfteren mit „Sehr geehrter Herr Kreuz“ von uns angeschrieben – auch heute noch schaue ich zweimal auf die Anrede, ob ich ihn mit seinem Namen und nicht mit dem seiner Marke angeschrieben habe.

U. Schmidt (lacht): Mit dieser Verwechslung sind Sie nicht allein! Es freut mich ja, wenn mein Markenname so in den Köpfen meiner Geschäftspartner und Kunden verankert ist.

Ich hätte noch eine weitere kleine Anekdote: Bei unserem ersten Treffen stellte ich mich als Quereinsteiger vor. Ich gab an, dass es mein Ziel ist, die bestmögliche Unterwäsche zu produzieren. Es darf also so (langsam) genäht werden, dass das bestmögliche Ergebnis erreicht wird. Das war dann wohl doch etwas überraschend für die Thomäs. Normalerweise werden sie gefragt: Wie geht es schneller, wie geht es billiger, wo können wir sparen.

Beispielsweise bei Retropants: Bei vielen Anbietern haben diese hinten eine Mittelnaht. Somit wird das Hinterteil aus zwei kleinen Stücken zusammengesetzt, was sehr wenig Verschnitt bedeutet und so das Material optimal ausgenutzt wird. Der Nachteil ist allerdings, dass enge Retroshorts mit Mittelnaht fast immer kneifen. Ich kenne jedenfalls keine, die nicht kneift. Bei ALBERT KREUZ haben enge Retroshorts hinten nie eine Mittelnaht. Viele unserer anspruchsvollen Kunden bestätigen uns, die besten Shorts zu produzieren, die sie je hatten.

Ihr Fazit nach eineinhalb Jahren guter Zusammenarbeit?

 

Ende gut, alles gut: Das ALBERT KREUZ Label darf nicht fehlen

E. Thomä: Die Zusammenarbeit mit Herrn Schmidt war und ist nicht einfach nur gut – sie ist kreativ, herausfordernd und spannend zugleich. Und nicht zu vergessen – sie macht uns auch noch sehr viel Spaß. (E. Thomä lacht) Und mich persönlich hat sie außerdem noch zu einem treuen Kunden von ALBERT KREUZ gemacht.

U. Schmidt: Die Entscheidung, auf den Produktionsstandort Deutschland zu setzen, war richtig. Ich möchte mich bei Erik Thomä und seiner Mutter herzlich für die Form der Zusammenarbeit bedanken. Bei der ein textiltechnisch „unwissender“ Kaufmann durch Hereiha und insbesondere Frau Thomä bestens beraten wurde und immer noch wird. Anfangs war es sicherlich ein großes Wagnis für Hereiha sich auf ALBERT KREUZ einzulassen, denn unsere Stückzahlen waren sehr gering und der Erfolg noch ungewiss. Jetzt stellt sich wirtschaftlicher Erfolg ein und die Zusammenarbeit lohnt sich für beide Seiten. Was mich auch für Hereiha sehr freut.

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