Der Gesetzgeber drängt zum „Long John“ – Wenn Unterwäsche zum Politikum wird

Das "Drunter stimmt". Nichts zu meckern für die Hüter des Dresscodes. ALBERT KREUZ Business-Unterhemd.
Das „Drunter stimmt“. Nichts zu meckern für die Hüter des Dresscodes. ALBERT KREUZ Business-Unterhemd.

Das Thema Unterwäsche ist längst nicht mehr privat. Vorbei gehen die Zeiten, in denen jeder nach Lust, Laune oder weil es im Schrank gerade obenauf liegt, „unten drunter“ das anziehen kann, was er mag. Korea ist jetzt das erste Land, das einen Underwear-Kodex erlassen hat. Kein Spaß: Was die Gemüter von Hunderttausenden Staatsdienern erhitzt, soll Energiekosten einsparen helfen.

Noch lange bevor Thilo Sarrazin mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ bundesweit – für Aufregung sorgte, provozierte der Berliner Ex-Senator auf lokaler Ebene immer mal mit flotten Sprüchen. Es ist erst einige Winter her, da empfahl er Hartz IV-Empfängern als Mittel gegen zu hohe Heizrechnungen, einfach mal einen Pullover mehr anzuziehen. Sarrazins rüde Empfehlungspraxis in Sachen Bekleidung macht jetzt Schule, auch wenn ganz andere Zielgruppen als Sozialhilfeempfänger betreffend.

Dezember 2010: Als erste brach die Schweizer Großbank USB mit der Praxis, was Er und Sie unter dem Business-Outfit tragen, gehe keinen etwas an. Eine 52-seitige Dienstanweisung für zunächst fünf Filialen regelt, wie MitarbeiterInnen duften und auszusehen haben. Das “UBS Corporate Wear Dress Guide for Women und Men” schreibt weiblichen Angestellten “hautfarbene Unterwäsche” und Seidenstrümpfe vor. Männer haben schwarze, ungemusterte Socken zum anthrazitfarbenen oder anders dunklen Anzug und weißem Oberhemd zu tragen.

Januar 2011: Keinen Monat später macht ein neuerlicher Dresscode Schlagzeilen – diesmal in Form eines Urteils. Richter am Kölner Landgericht gaben einer am Airport arbeitenden Sicherheitsfirma Recht, das In- und Outfit ihrer Mitarbeiter den dienstlichen Obliegenheiten unterzuordnen. Neben frischen Frisuren in „ihrer natürlicher Farbe“ wird beiderlei Geschlechtern ein weißes Unterhemd verordnet; weiblichen Sicherheitsleuten haben einen weißen oder hautfarbenen BH zu tragen.

Immer noch Januar 2011: Während solche Unterwäsche-Verdikte als Bestandteil des unternehmerischen Erscheinungsbildes in Mitteleuropa vergleichsweise nur wenige Menschen betreffen, sieht das in Südkorea ab sofort schon ganz anders aus. Dort müssen Staatsdiener im Winter durch das Tragen langer Unterhosen, auch „Long John“ genannt, Heizenergie einsparen helfen. Motto: Mit warmer Unterwäsche gegen Bürokälte (Sarrazin lässt grüßen)! Gleichzeitig wies die Regierung als Maßnahme im Kampf gegen die gegenwärtige Kältewelle alle Ministerien, staatliche Firmen und öffentliche Einrichtungen an, mittags und zwischen 17 und 18 Uhr die Heizungen ganz abzudrehen.

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