Anzüge nach Maß – nicht nur für die deutsche Geldelite

Wer sich einmal einen Anzug hat maßanfertigen lassen, greift nur ungern auf Konfektionsware zurück. Gerade der Gentleman nutzt Maßanfertigung als stilvolles Unterstatement. Sichtbare Labels sind unter seinem Niveau. Die österreichische Herrenschneidermeisterin und Philosophin Ruth Spenger fasst den Gedanken in ihrem vor Kurzem erschienenen Buch „Die hohe Kunst der Herrenkleidermacher“ (Böhlau Verlag, Wien, 2009) wie folgt zusammen: „Ein Maßschneider kleidet Persönlichkeiten, die sich der sprachlichen Wirkung ihrer Kleider sehr bewusst sind.“

Maßanzüge betonen die Vorzüge des eigenen Körpers und kaschieren dessen kleine Fehler. Aber der Gang zu einem Maßschneider erfordert auch tiefes Vertrauen in diesen. Ein guter Maßschneider fühlt sich in seinen Kunden ein, er dient ihm nicht nur bei Material und Farbe als guter Berater, sondern auch, was die passende Form des Anzugs angeht. Wie beim Friseur, möchte sich der Kunde in pflegende Hände geben, die seine Seele verstehen und das beste Erscheinungsbild aus ihm kitzeln.

Im April hat das Magazin Euro die Elite der deutschen Maßschneider gekürt. Derzeit gibt es in Deutschland circa 800 Schneider, die noch wirklich in Handarbeit Anzüge für den betuchten Herren herstellen. 25 haben es ins Heft geschafft – zu finden sind sie in allen Regionen Deutschlands, wobei sich die Elite in den Metropolen findet. Angeführt wird die Liste vom Berliner Maßschneider Volkmar Arnulf. Bei ihm erhält der Mann einen Anzug ab 3.500 Euro. Im Süden (München) glänzt Max Dietl mit Anzügen ab 4.000 Euro und im Westen (Düsseldorf) reiht sich Heinz-Josef Radermacher mit Anzügen ab 3.500 Euro in die Reihe der besten drei ein.

Es geht jedoch auch billiger: Wer nicht auf 100% Handwerk Wert legt, kann sich so genannte Maßkonfektions-Anzüge machen lassen. Hierbei wird nur Arm- und Beinlänge, Brust- und Bauchumfang von Hand gemessen und später am Computer zugeschnitten. Gefertigt aber wird der Anzug industriell. Die Herstellung dauert nicht 60 bis 70 Stunden Arbeit wie bei einem Maßschneider, dafür gibt es auch nicht mehrere Anproben bis der Anzug wirklich perfekt sitzt. Bei der Maßkonfektion verlässt sich der Hersteller auf den Computerentwurf und der Kunde erhält erst das Endergebnis.

Aber es gibt auch Maßschneider für den kleinen Geldbeutel: Herrenschmiede.de wirbt auf ihrer Internetseite, dass sie den stilbewussten Herren bereits für 299 Euro einen auf ihn zugeschnittenen Anzug kreieren. Vermessen wird im Berliner Atelier oder bei Partnern in deutschen Großstädten. Bei der Maßschneiderei Cove & Co. sind Anzüge aus feinstem italienischem Tuch für unter 1.000 Euro zu bekommen. Cove hat sich der europäischen Kleidungskultur verpflichtet und interpretiert das traditionelle Schneiderhandwerk neu. Für die Schneidermeister ist einzig und allein Anspruch, Anlass und Persönlichkeit des Kunden entscheidend.

Haben Sie sich schon einmal für einen Maßanzug entschieden? Welche Schneiderei können Sie empfehlen?

Eine Antwort auf „Anzüge nach Maß – nicht nur für die deutsche Geldelite“

  1. Ach so ein Masshemd oder einen Massanzug bekommt man heute zum Glück auch schon recht günstig. Kleider machen Leute ist daher durchaus ein passendes Stichwort und für jeden möglich 🙂

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