Business-Etikette für Russland

In Russland ist für deutsche Geschäftsreisende Beziehungsmanagement angesagt Foto: © Inessa Podushko, pixelio
In Russland ist für deutsche Geschäftsreisende Beziehungsmanagement angesagt Foto: © Inessa Podushko, pixelio

In Russland ist hohes Statusdenken verbreitet. Man zeigt durch Statussymbole, wer man ist. Je höher die Position desto stärker ausgeprägt die Statussymbole. Nicht umsonst findet in Moskau jährlich die Millionärsmesse statt. Stellen Sie sich darauf ein, zuerst eine vertrauliche Beziehung mit dem russischen Geschäftspartner aufzubauen, bevor Sie mit den tatsächlichen Geschäftsverhandlungen beginnen. Russen gelten als kontaktfreudig und offen, doch dauern Verhandlungen mit ihnen in der Regel länger als in Deutschland. Werden Sie vom Geschäftspartner zum „Freund“ kann es durchaus sein, dass Sie den nächsten Vertragsabschluss in der Datscha Ihre russischen Partners besiegeln.

Begrüßung

Zur Begrüßung reicht man sich in Russland die Hände und sagt „Sdrastwuitje“, „Dobri djien“ (Guten Tag) oder „Privjiet“ (Hallo). Danach kann sich die Frage „Kak dela?“ (Wie geht’s?) anschließen. Bei älteren oder übergeordneten Person wird die Anrede mit Vor- und Vatersnamen gewählt. Zu offiziellen Anlässen wird jedoch die Anrede mit dem Titel und dem Nachnamen verwendet.

Einladungen

Zu Besuchen zieht sich der Russe vor dem Betreten der Wohnung die Schuhe aus. Die Gastgeber bieten häufig Erfrischungen an, die auf keinen Fall abgelehnt werden sollten, da dies sonst als unhöflich gewertet wird. Bei Einladungen empfiehlt es sich, dem Gastgeber ein Geschenk mitzubringen. Kleinigkeiten wie Blumen, Pralinen oder Wodka sind beliebt. Man sollte sich auch nicht verweigern, die angebotenen Hausschuhe anzuziehen. Der Russe ist bekannt für seine Qualitäten als Gastgeber.

Geschäftliches

„Zawtra“ ist eines der meist genutzten Wörter in Russland; übersetzt heißt es so viel wie „morgen“. Deutsche Geschäftsleute sollten wissen, dass vieles nicht sofort und nicht dann erledigt wird, wenn man es gerne hätte, sondern oft erst am nächsten Tag. Nicht eingehaltene Termine sind durchaus an der Tagesordnung. Haben Sie einen Besprechungstermin vereinbart, empfiehlt es sich, einen Tag vorher oder am selben Tag anzurufen, ob dieser auch stattfindet. Für Russen sind Verspätungen nicht schlimm. Von den Deutschen hingegen wird Pünktlichkeit erwartet. Bei Unklarheiten im Geschäftlichen, sollten Sie immer detailliert nachfragen und direkte Fragen stellen.

Das Belehrende der Deutschen sollten Sie im Hotel, noch besser zuhause lassen. Es ist auch immer von Vorteil, ein paar Floskeln in Russisch zu beherrschen; vor allem für Geschäftsessen, die meist vier bis fünf Gänge umfassen. So hat man die Möglichkeit, höflich einfließen lassen, dass man gesättigt ist oder dass es sehr gut geschmeckt hat. Das Vorurteil vom ständigen Wodkatrinken in Russland ist zumindest im Geschäftsleben überholt. Die russischen Geschäftspartner halten sich zurück, denn auch sie müssen am nächsten Tag wieder fit sein.

Beziehungskultur

Die russische Kultur ist eine Beziehungskultur und der Russe lebt davon, persönliche Beziehungen aufzubauen. Er möchte wissen, mit wem er es zu tun hat. Auch hier gilt es, sich Zeit zu nehmen für den Small-Talk. Ob in kleiner inoffizieller Runde oder bei Geschäftsanbahnungen – in Russland ist es üblich, am Anfang aller Gespräche über etwas Persönliches und Beziehungsförderndes zu sprechen. Der sogenannte Small-Talk dauert in diesem Land etwas länger als wir Deutschen es gewohnt sind.

Die formelle Anrede Frau oder Herr plus Nachname wird in Russland nur selten verwendet. Sie können Ihre Gesprächspartner mit Vornamen und Vatersnamen ansprechen. Nach ein, zwei Gläsern Wodka gehen die Russen manchmal auch schnell zum „Du“ über.

Hierarchien spielen in Russland eine weitaus größere Rolle als in Deutschland. Sie sollten also immer erst herausfinden, wer was zu sagen hat und wer in einer auf Dauer tragfähigen Position sitzt. Die Korruption gehört in Russland zum Geschäft dazu. Es darf jedoch nicht darüber geredet werden, wie sehr man selbst in die Korruption verstrickt ist.

Tabus

Das Wort Toilette sollte nicht verwendet werden. Umschreiben  Sie das Wort und fragen, wo man sich die Hände waschen kann. Taschentücher werden nur im Bad benutzt und auf keinen Fall am Tisch. Man sollte nicht zu direkt sein und Kritik mehr durch die Blume äußern. Über die Zarenfamilie sollte nie schlecht geredet werden, sie wird von den Russen verehrt. Auch das Thema Politik sollte gemieden werden. Wenn die Politik doch Thema wird, sollten Sie vortäuschen, die Lage in Russland nicht einschätzen zu können.

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4 Antworten auf „Business-Etikette für Russland“

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    im Abschnitt „Geschäftliches“ ist Ihnen ein False-Friend eingeschlichen. Es ist zwar richtig, dass in der russischen Geschäftswelt Entscheidungen und Handlungen auf den nächsten morgen verschoben werden. Nur stimmt bei Ihnen das russische Wort nicht. Es müsste „zawtra“ heißen. Denn „utro“ heißt „der Morgen“. Ich hoffe Sie korregieren diesen kleinen Fehler und nehmen es mir nicht böse, dass ich Sie korregiere.

    Vielen Dank im Voraus.

    Mit freundlichen Grüßen

    Swetlana

  2. Das Wort „Toilette“ sollte nicht verwendet werden“

    Wieso? Vielleicht habe ich etwas verpasst, aber ich habe nie gelesen oder gehört, dass man das Wort „Toilette“ vermeiden soll. Man wird sicherlich ziemlich blöd aussehen, wenn man nach 3-4 Bier nach eine Möglichkeit fragt die Hände zu waschen.

    Mit der Kritik, schätze ich, liegt die Autorin auch ziemlich daneben. Die Servicestandards sind in Russland ziemlich schlecht entwickelt. Ihr Geschäftspartner wir selber NIE darauf kommen, dass er etwas falsch macht, wenn man es nicht direkt sagt, schlimmer noch, man wird eher unseriös aussehen, wenn man seine Wünsche und vor allem seine Kritik nicht direkt äussern kann.

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