Slip, Shorts & Co. – Die Urururenkel von Feigenblatt und Lendenschurz

Retroshorts in schönster Form
Retroshorts in schönster Form

Erfinder bitte aufgepasst: Nachdem der Herrenslip gut 150 Jahre alt ist, sucht die Brandenburger Unterwäschefabrik ALBERT KREUZ jetzt nach Ideen für die nächste Unterhosen-Revolution. „Die ist nach so vielen Jahren nun langsam überfällig“, meint Geschäftsführer Uwe Schmidt, der als Erfinder des „unsichtbaren“ Unterhemds zwar Schlagzeilen bis nach Großbritannien gemacht hat, aber in Sachen Männer-Unterhosen bisher auch „nur“ Akzente bei Materialien und Schnitten hinzufügen konnte. „Wir haben Retroshorts mit Super-Passform, womöglich das knalligste Orange und die besten Materialien; aber von generell Neuem ist das noch weit entfernt“, findet der 42-Jährige .

Dabei scheint die Zeit für die nächste Generation für „unten drumherum“ längst herangereift: Unterhosen sind – anders als Unterhemden – inzwischen ein hygienisches Muss (nur über die Wechselfrequenz lässt sich noch streiten). Männer-Unterhosen stehen spätestens seit den Achtzigern auch nicht mehr im modischen Abseits. Der einst normbestimmende Feinripp-Schlüpfer (mit und ohne Beinansatz bzw. Eingriff) hat inzwischen starke Konkurrenz bekommen: (Boxer)Shorts, Pants oder Retropants, Tangas oder Strings – und die in allen denkbaren Variationen, Farben, Benennungen und Stoffqualitäten von Strech bis Microfaser.

Masse oder Klasse

Als Mann heutzutage hat man die volle Auswahl. Diese reicht vom Sonderangebot nach dem Motto „Im Zwölferpack für 9,99 €“ bis hin zum Unterhosen-„Porsche“, einem Slip von DOLCE & GABBANA für 71,90 €. Die Vielfalt unter Jeans bzw. Anzughose war noch vor Jahrzehnten kaum denkbar, zumal die Entwicklungsgeschichte des Männer-Slips mit seinen eigenartigen Zwischenformen auch eher an einen Schmetterling erinnert. Dort stand am Anfang die Raupe, während an und um die Männerbeine ganz am Anfang ein Lendenschurz flatterte. Das war vor 20.000 Jahren. VIP-Männer bei den alten Ägyptern hoben sich von ihren Geschlechtsgenossen am Pharaonenhof durch einen doppelten Schurz ab, der schon mal das Knie bedecken konnte und auch verziert gewesen sein soll.

Leuchtender geht nicht. Trunk-Shorts aus Light Meryl in Orange.
Leuchtender geht nicht. Trunk-Shorts aus Light Meryl in Orange.

Wir überspringen die biblische Feigenblattzeit und nähern uns der Antike. Trug Mann zum Beispiel in griechischen Vorzeiten ein langes Gewand, dann mit Stolz und darunter „ohne“. Erst die Tunika tragenden Römer wickelten sich auch unten herum in ein extra Tuch, Subligaculum genannt, ein. Die Ururur-Unterhose ward geboren – und geriet wieder in Vergessenheit. Erst tausend Jahre später sind bei ersten Männern in Mitteleuropa dreiteilige Unterhosen zum Schutz der Lenden nachzuweisen. Das Kuriose: Mann musste Lendenteil und beide Beinröhren separat anziehen – alles andere als bequem und alltagstauglich, aber womöglich der letzte Schrei (spätestens dann, wenn man sich damit wund gelaufen hatte).

Was Kaiser Otto, Dante oder Papst Alexander III. im 11. und 12. Jahrhundert unter Rüstung oder Mantel trugen, ist nicht überliefert. Fakt jedoch ist vielmehr, dass sich im späteren Mittelalter für beiderlei Geschlecht unterschiedlich lange Hemden aus Leinen durchsetzten, die Tag und Nacht getragen wurden. Parallel dazu kam die Bruche, eine Kurzhose, in Mode. Erst seit Ende des 18. Jahrhunderts – Goethe, Napoleon und Ernst August zu Weimar werden sie getragen haben – waren in bestimmten Kreisen Männerunterhosen „angesagt“. Das Baumwollzeitalter war noch nicht angebrochen, also waren die untersten Beinkleider wohl aus Wolle oder Linnen – kratz, kratz.

Retro-Shorts aus Stretch-Baumwolle in Weiß.
Retro-Shorts aus Stretch-Baumwolle in Weiß.

Schiesser als Vorreiter

Drei Generationen später, die deutsche Reichsgründung stand kurz bevor, gab der Wäschefabrikant Schiesser mit einem neuen Verfahren, bei dem Hemdschöße mit Knöpfen versehen wurden (um sie dann durch die Beine zu raffen) den Anstoß für die spätere Massenproduktion von Unterhosen, Baumwoll-Trikotagen genannt. Schiesser war es auch, der das Knüpftrikot entwickelte – ein Renner auf der Pariser Weltausstellung im Jahr 1900. Gerippte Schlauchware – wir nähern uns der Feinripp-Problematik – taucht erstmals in England nach dem 1. Weltkrieg auf und wird zunächst nur für Strümpfe eingesetzt. Erst nach Weltkrieg II greift Schiesser diese Technologie zur Herstellung von Fein- und Doppelripp-Unterwäsche auf.

Zwischenzeitlich hatte der deutschstämmige Textilingenieur Arthur Kneibler in Chicago der dreißiger Jahre mit der Erfindung der dann unter dem Markennamen „Jockey“ vertriebenen Unterhose einen Welterfolg gelandet. Kreiblers Innovation gilt als Grundmodell der Herrenunterhose an sich und soll dem Hersteller, der Wäschefirma Copper Inc., 110 Lizenzverträge beschert haben. Die Patentunterhose war schließlich auch für Schiesser im Jahr 1951 Vorbild für die erste Doppelrippunterhose. Obwohl das Doppelripp-Zeitalter noch längst nicht beendet ist, entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten eine regelrechte Underwear-Kultur – auch zum Wohle der Herren. Die Männer haben Unterwäsche-mäßig alles gewonnen; nur der mehr oder weniger beliebte „Eingriff“ scheint inzwischen vollkommen aus der Mode zu sein. ALBERT KREUZ übernehmen Sie?

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