„Anstand und Manieren“ mögen in unseren Ohren antiquiert klingen, liegen aber im Trend. Haben uns diese Werte nicht schon unsere Großeltern immer wieder eingebläut? Wir hätten besser auf sie hören sollen. Denn diese Umgangsformen kommen nie aus der Mode. Warum das so ist, hat ALBERT KREUZ eine Dame gefragt, die es wissen muss. Monika Müller-Kröker war jahrelang in den Chefetagen als Assistentin unterwegs und gibt nun ihre Erfahrungen als Trainerin für gute Umgangsformen weiter.
ALBERT KREUZ: Ihr Webauftritt heißt „Knigge im Trend“. Liegt Ihrer Meinung nach derzeit Knigge wieder im Trend? Und warum ist das so?
M. Müller-Kröker: Ja, Knigge – das Synonym für Anstand, Benehmen, Manieren – liegt wieder im Trend. Gerade die Wirtschaftskrise hat gezeigt, dass die Menschen sich besinnen auf die Werte wie Zuverlässigkeit, Vertrauen, Ehrlichkeit sowie auf ein respektvolles, höfliches Miteinander.
ALBERT KREUZ: Sie schreiben auf Ihrer Homepage: „Niemand kann es sich heutzutage noch leisten, die modernen Umgangsformen nicht zu beachten.“ Was sind die modernen Umgangsformen?
M. Müller-Kröker: Die Umgangsformen wurden „entstaubt“ von leeren Floskeln. Es geht nicht mehr darum, die (Umgangs)-Formen der Form wegen zu wahren, sondern sich rücksichtsvoll, locker, souverän und der Situation angepasst im Alltag zu bewegen. Hier sei auch der richtige Umgang mit unseren modernen Kommunikationsmitteln genannt.
ALBERT KREUZ: Gibt es nicht genug Promis im Fernsehen, die durchaus gute Manieren vermissen lassen? Und lassen sich gerade junge Menschen davon beeindrucken?
M. Müller-Kröker: Junge Leute mögen sicher miteinander oft ruppig, pöbelhaft, rücksichtslos und unhöflich umgehen – geprägt auch durch die schlechten Vorbilder im Fernsehen. Jedoch beobachte ich zunehmend folgenden Trend: Mit Erwachsenen, die sie selbst respektieren und von denen sie ernst genommen werden wollen, gehen Jugendliche höflich um. Das ist auch der Weg, ihnen gute Umgangsformen beizubringen.
ALBERT KREUZ: Hat Deutschland eine Gesellschaft des guten Tons? Oder müssen wir Deutsche noch viel in Sachen Etikette und Stil lernen?
M. Müller-Kröker: Nachdem die 68er Generation gesellschaftliche Regeln rigoros ablehnte, sind heute wieder mehr Menschen an guten Umgangsformen interessiert. In allen Gesellschaftsschichten gibt es einerseits Gruppen, für die gutes Benehmen selbstverständlich ist und dieses der jungen Generation vermitteln; andererseits solche, für die Anstand und Manieren Fremdwörter sind.
ALBERT KREUZ: Gibt es aktuelle Knigge-Trends, die sich vor allem Geschäftsleute zu Herzen nehmen sollten?
M. Müller-Kröker: Respekt ist ein Wert, der nie aus der Mode kommt und gerade in der aktuellen Wirtschaftslage wieder hoch im Kurs steht. Ich zeige meinen Geschäftspartnern gegenüber Respekt, indem ich zu Terminen pünktlich und in angemessener Kleidung erscheine, bei der Begrüßung die Hierarchien beachte, einen interessanten Smalltalk pflege und Gespräche nicht unterbreche. Klingt einfach, ist aber oft schwerer als vermutet.
ALBERT KREUZ: Was sind für Sie die größten Etikette-Süden, die Mann/ Frau machen kann?
M. Müller-Kröker: Gerade in unserer schnelllebigen Zeit empfinge ich Unpünktlichkeit als grob unhöflich; ebenso die Unsitte, anderen das Wort abzuschneiden. Hier kommt wieder der eben genannte Respekt ins Spiel. Keiner sollte sich für so wichtig nehmen, seinen Gegenüber durch Ignoranz herabzuwürdigen.
Monika Müller-Kröker ist Trainerin für gute Umgangsformen. Viele Jahre war sie als Geschäftsleitungs- und Marketingassistentin in namhaften Unternehmen tätig, wobei stilvolle, zeitgemäße Umgangsformen selbstverständliche Voraussetzung waren. Anschließend absolvierte sie eine Ausbildung zur Trainerin im Bereich Umgangsformen. Seit 2004 schult sie Führungskräfte, Assistentinnen, Mitarbeiter im Vertrieb und Berufseinsteiger in firmeninternen Seminaren oder im Einzelcoaching. Für alle Menschen, für die Benehmen keine Glückssache bleiben soll, bietet sie auch offene Seminare.
Schlagworte: angemessene Kleidung, Anstand und Manieren, gute Umgangsformen, Knigge im Trend, Smalltalk, zeitgemäße Umgangsformen
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